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Übersicht eines Großbauprojekts auf Karte

Ein Kraut gegen das Chaos auf Großbaustellen – moderne Baulogistik

Produktivitätsverluste aufgrund von Organisationsmängeln sind typisch für Großbaustellen. Um dem abzuhelfen, hat sich in den letzten Jahren das neue Gewerk der Baulogistik entwickelt. Es verspricht eine geordnete Ver- und Entsorgung der Baustelle, lückenlose Zutrittskontrollen und strukturierte Arbeitsabläufe. Moderne Baulogistik und die Industrialisierung der Bautechnik – wie z.B. bei TECEsystem – ergänzen sich dabei hervorragend, denn mit vormontierten Baugruppen wird die Komplexität der Prozesse erheblich reduziert.

Die Urbanisierung des Wohnens und Arbeitens ist ein weltweiter Megatrend. Mit der Verdichtung des Städtebaus und des Verkehrs steigen auch die Herausforderungen an die Logistik für Großbaustellen. Die Art der Auftragsvergabe hat die Problemlage weiter verschärft: Wurden früher Großprojekte komplett an Generalunternehmer vergeben, gibt es heute immer häufiger Paketvergaben, bei denen die organisatorische Klammer um das Gesamtprojekt fehlt. In diese Situation hinein entwickelte sich die Idee der Baulogistik als eigenständiges Gewerk, das die Industrialisierung von Baustellen weiterentwickeln will. Die Vision: Arbeitsbedingungen schaffen wie in gut organisierten Produktionsprozessen der stationären Industrie.

Baulogistik setzt auf Schichtbauweise im Flower-Hotel in Essen: TECEsystem-Bauelemente werden in jedes Bad mit dem Kran eingebracht.
Baulogistik setzt auf Schichtbauweise im Flower-Hotel in Essen: TECEsystem-Bauelemente werden in jedes Bad mit dem Kran eingebracht.

Baulogistik orientiert sich an der betriebswirtschaftlichen Definition von Aufbau- und Ablauforganisation: Verhaltensregeln und ein Logistikhandbuch werden Vertragsbestandteil für alle Unternehmen auf der Baustelle. Zu den Aufgaben des Baulogistikers als neutrale Instanz für alle beteiligten Unternehmen zählt zunächst die Zugangskontrolle. Jeder Baubeteiligte bekommt einen Ausweis mit Chip und wird beim Passieren der Ein- und Ausgänge erfasst. So lässt sich auch Schwarzarbeit verhindern und bei Routinekontrollen vom Zoll sind alle Daten parat.

Für jede Anlieferung und Entsorgungsfahrt werden über eine App Zeitslots vergeben, damit sich die Lieferanten nicht gegenseitig behindern. Ebenso straff ist die Entsorgung der Baustelle über eine zentrale Abgabestelle organisiert. Die Kosten werden den Unternehmen direkt in Rechnung gestellt, so profitieren sie von den Einsparungen durch eine gute Abfalltrennung. Klar, dass das nur mit einem gewissen Maß an Überwachung funktioniert, die deshalb auch zum Arbeitsfeld des Baulogistikers gehört.

Bis zu 200 Lkw am Tag organisieren

Solche Zustände auf der Baustelle sind indes keine Fiktion. Mit der Entwicklung dieses neuen Gewerks beschäftigt sich seit etwa 20 Jahren der Wirtschafts- und Organisationswissenschaftler Andreas Goetz – ein Quereinsteiger in Sachen Bau und Pionier der Baulogistik. Seine Ideen mündeten in internetgestützte Organisationstools zur Steuerung der Materialflüsse. Oder in einem Entsorgungssystem mit abschließbaren Rollcontainern. Er ist heute hauptsächlich als Berater für Bauherren tätig und betreut Großbaustellen.

Pionier der Baulogistik: Andreas Goetz aus Frankfurt am Main organisiert Großbaustellen.
Pionier der Baulogistik: Andreas Goetz aus Frankfurt am Main organisiert Großbaustellen.

Der Logistiker schlägt kostenseitig nur mit rund drei Prozent der Baukosten je nach Umfang seines Leistungspakets zu Buche. Es bleibt also ein deutlicher Netto-Nutzen.

Warum der Einstieg des Logistikers zu einem möglichst frühen Zeitpunkt wichtig ist, zeigte sich am Beispiel des Projekts PalaisQuartier mitten in der Frankfurter City. Allein aus Logistikgründen (hier: Platzmangel auf dem Gelände) wurden zwei Deckel der Tiefgeschosse in SLW 30 ausgebaut, also befahrbar für Lkw. Über diese Flächen wurden sämtliche Lieferungen und Entsorgungstransporte abgewickelt – im Ausbau bis zu 200 Lastwagen pro Tag. Kosten durch Organisationsmängel lassen sich schwer beziffern. Goetz hat im Rahmen von Diplomarbeiten Einsparungen abschätzen lassen und diese sollen deutlich zweistellig sein. „Der Logistiker schlägt kostenseitig nur mit rund drei Prozent der Baukosten je nach Umfang seines Leistungspakets zu Buche. Es bleibt also ein deutlicher Netto-Nutzen.“ Weitere Vorteile sind geringere Umwelt- und Lärmbelastungen sowie eine reduzierte Anfälligkeit
gegen Bauverzögerungen.

Deckelbauweise kann durch die Baulogistik motiviert sein: Im Frankfurter PalaisQuartier wurden wegen der engen Verhältnisse zwei Schwerlaststockwerke ausgebaut. Die frühzeitige Lay-out-Planung der internen Verkehrswege sparte über zwei Monate Bauzeit. (Quelle: Andreas Goetz)
Deckelbauweise kann durch die Baulogistik motiviert sein: Im Frankfurter PalaisQuartier wurden wegen der engen Verhältnisse zwei Schwerlaststockwerke ausgebaut. Die frühzeitige Layout-Planung der internen Verkehrswege sparte über zwei Monate Bauzeit. (Quelle: Andreas Goetz)

Was kann die Bauindustrie tun, um die Baulogistik zu optimieren und zu nutzen? Für Goetz ist es die industrielle Vorfertigung von Komponenten wie Sanitärwänden, Installationsschächten, aber auch ganzen Raumsystemen, die die Komplexität der Baustellenabläufe senken, Fehler vermeiden und für zusätzliche Effizienz sorgen: „Hier sind noch viele Potenziale zu heben. Es kommt dabei auf eine enge Kooperation von Architekt, Planer und Hersteller an.“

Ab wann lohnt sich der Baulogistiker?

Die Baulogistik als zusätzliches Gewerk zu integrieren, lohnt sich nach Erfahrungswerten ab etwa 30 Millionen Euro Bauvolumen; die Ideen sollten aber in jede Bauausführung einfließen. Zur Entscheidungsfindung sollten sich die Verantwortlichen möglichst früh die Fragen stellen, ob und wie sie die folgenden Probleme unter Einbeziehen der Baustellenumgebung bewältigen wollen:

  • illegale Beschäftigung verhindern durch Zutrittskontrollen
  • Bewachung und Verhinderung von Diebstählen
  • Transparenz aller logistischen Prozesse
  • Lay-out-Planung der Baustelle in allen Bauphasen
  • Steuerung der Materialflüsse und Lagerung
  • Zuteilung der Infrastruktur wie Entladeflächen, Kräne und Maschinen
  • Abfallentsorgung mit möglichst sortenreiner Trennung
  • Sauberkeit und Überwachung der Arbeitssicherheit
  • Abrechnung der in Anspruch genommenen zentralen Logistikleistungen
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