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Bau 4.0 Professor Horst Wildemann

Bau 4.0 kommt aus der Fabrik

Über die Vorteile der Modulbauweise und industrieller Vorfertigung

Professor Horst Wildemann gilt als einer der Väter der Erfolgsgeschichte der Automobilindustrie. Seit Jahrzehnten schon werden Autos und Maschinen nach individuellen Kundenwünschen in Modulbauweise produziert. Seine These: Durch Modulbauweise und industrielle Fertigung lassen sich Baukosten um bis zu 70 Prozent senken, denn der Bau ist in Sachen Prozessoptimierung Brachland.

Individualismus vs. Kostenersparnis

Handwerk und Manufakturen wird es so lange geben, wie es zahlungswillige Kunden mit Sonderwünschen gibt. Doch im Bauwesen stellt sich die Frage, ob sich jeder solche Methoden leisten kann oder will. Laut Wildemann hat das Bauwesen die Kapazitäten, auch auf den Stand der Industrie 4.0 zu kommen. Dazu sind nur vier Schritte nötig:

  • Modulentwicklung: Häuser werden in Module zerlegt Türen, Wände, Sanitär- und Elektroinstallationen werden in mehreren Varianten angeboten, sind aber immer miteinander kompatibel.
  • Industrielle Fertigung: Die Module können durch Rationalisierung, Automatisierung und Digitalisierung kostengünstiger produziert werden und können insgesamt qualitativer und produktiver hergestellt werden.
  • Konfiguration: Der Kunde konfiguriert die Module am PC online. Alle Module werden zusammengerechnet. Bei Projektfreigabe können die Pläne und Daten für Behörden und Produktion generiert werden.
  • Fertigstellung: Nach Gießen des Fundaments können alle Module innerhalb eines Tages montiert werden.

Die entscheidenden Einsparungen werden dabei auf der Baustelle erzielt: Die Verlagerung der Fertigungsprozesse in kontrollierbare Produktionsbedingungen erhöht Qualität und minimiert die Fehler, die oft zusätzliche Zeit kosten.

Bau 4.0 Professor Horst Wildemann
Häuslebauen 4.0: Professor Horst Wildemann in seinem Element der Prozesse.
Chancen für den Wohnungsmarkt

Glaubt man den Bedarfsprognosen des Bundesinstituts für Bau, Stadt und Raumforschung, dann werden bis 2030 jährlich 350.000 bis 400.000 Wohneinheiten pro Jahr benötigt. Das lasst sich mit den aktuellen Kapazitäten im Bauhandwerk und bei den Bau-Nebengewerken nicht bewerkstelligen. Große Potenziale gibt es auch bei der Aufstockung vorhandener Häuser. Eine Studie hat gezeigt, dass die Wohnfläche in Städten auf diese Weise um ein Fünftel gesteigert werden konnte. Mit industrieller Vorfertigung könnten solche Projekte jeweils in wenigen Tagen umgesetzt werden.

Die Technik ist bereit

Alle notwendigen Fertigungstechnologien sind bereits vorhanden. Den Grund, weshalb wir vor allem in Deutschland noch nicht so weit sind, sieht Wildemann eher sowohl in der Scheuklappen-Mentalität der Baubranche als auch am schlechten Image der Fertighäuser im Allgemeinen. Japan und die USA sind schon einen Schritt weiter. Toyota nahm sein Produktionssystem aus dem Autobau bereits vor Jahren als Vorbild für Wohnhäuser. Doch diese Häuser eignen

sich nicht für den europäischen Markt, weil hier Einheitskonstruktionen nicht akzeptiert werden.

Sanierung mit Vorfertigung: Sanitärwände von TECE

Ein erster Schritt zum industriellen Bauen ist die industrielle Vorfertigung von Sanitärwänden und Schächten, wie sie TECE seit rund 20 Jahren anbietet. Bei einem beispielhaft kalkulierten Projekt mit 48 Wohneinheiten standen einer Halbierung der Bauzeit Mehrkosten zum Angebotszeitpunkt von rund 6,5 Prozent gegenüber. Qualitäts- und Prozess-Vorteile (weniger Reklamationen) spielen sich kostenmäßig aber später wieder ein und sind noch nicht berücksichtigt.